Carta al Ministerio de Relaciones Exteriores, Alemania
- Carolina Monroy Rosso
- Nov 17, 2019
- 2 min read
Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland
Herr Außenminister Maas
Werderscher Markt 1
10117 Berlin
Bitte um eine differenzierte Einordnung der Ereignisse in Bolivien
Sehr verehrter Außenminister Maas,
mein Name ist Maria Fernanda Navarro, ich komme aus Bolivien und studiere derzeit an der ESB Business School in Reutlingen. Es ist mir eine Ehre, dass Sie sich für mein Anliegen Zeit nehmen.
Ich würde Ihnen nicht schreiben, falls die Situation meines Landes nicht so kritisch wäre. Deswegen möchte ich im Namen des „Internationalen Netzwerks der Bolivianer im Ausland“ mitteilen, dass nach dem Rücktritt von Evo Morales und Álvaro García Linera von der ehemaligen Regierungspartei Movimiento al Socialismo „MAS“ ausgehend, die Bevölkerung in La Paz und weiteren Städten terrorisiert wurde. Morales Anhänger haben mittels Gewalt privates und öffentliches Eigentum zerstört, politische Gegner verfolgt und versucht die freie Berichterstattung zu behindern. Auf Rechte der Indigenen, Menschenrechte und öffentliche Einrichtungen wurde keine Rücksicht genommen.
Ich schreibe Ihnen, da es mir am Herzen liegt, dass die Ereignisse in Bolivien differenziert eingeordnet werden. Das Volk hat drei Wochen lang gegen den Wahlbetrug von Morales friedlich protestiert. Ebendieser Wahlbetrug wurde bereits von der „Organisation Amerikanischer Staaten“ bestätigt. Die Bolivianer gingen zu Recht auf die Straße, um die Verfassung und die Demokratie zu verteidigen.Dieser friedliche Protest zeigte letztendlich Wirkung und bewies die Stärke der bolivianischen Zivilgesellschaft. In diesem Kontext entschied sich die Polizei und Armee unsere junge Demokratie mit freien und gerechten Wahlen zu unterstützen. Deutschland dient in Bolivien als ein eindrückliches Beispiel für die Kraft der friedlichen Revolution, die vor genau 30 Jahren zeigte, dass Veränderung durch die Zivilgesellschaft möglich ist.
Die bolivianische Demokratie hat sich in den letzten Wochen als wehrhaft gegen autokratische Bestrebungen gezeigt. Dieser Erfolg wurde nur mit großem persönlichen Einsatz eines Jeden, der die Demokratie verteidigte, erzielt. Ebendiesen Erfolg sehe ich gefährdet, wenn in internationalen Medien von einem Putsch die Rede ist. Leider ist das auch in deutschen Medien der Fall. Beispielsweise die Zeitung „Spiegel“ publizierte am 10.11. einen Artikel „Boliviens Präsident Morales wettert gegen „Putsch““[1], welches eine einseitiges Narrativ darstellt. Auch Mitglieder des Deutschen Bundestages u.a. Fraktions-Vize der Linken Sevim Dagdelen äußerte sich zum Thema: „Der Militärputsch gegen Präsidenten Evo Morales in Bolivien ist ein weiterer Angriff auf die Demokratie in Lateinamerika. Die Bundesregierung muss diese Gewalt sofort verurteilen.“ [2] Natürlich sollte Meinungsfreiheit immer ermutigt werden. Bedauerlicherweise hat die Verbreitung dieser uninformierten Äußerungen einen negativen Einfluss auf Boliviens fragile Situation. Demnach würde ich Sie und die Bundesregierung bitten eine differenzierte Darstellung zu ermöglichen und die demokratischen, friedlichen Kräfte des Landes zu unterstützen.
Während ich diese Worte schreibe, fürchte ich mich um die Sicherheit meiner Familie und meiner Bekannten. Daher würde ich Sie bitten meine Anonymität zu bewahren.
Die stärkste Waffe einer Diktatur ist Desinformation, obschon die Situation fragil ist, hat die Mehrheit der bolivianischen Zivilgesellschaft die autokratische Politik von Morales durchschaut. Ich hoffe die Bundesregierung unterstützt den friedlichen Wandel in Bolivien.
Ganz ausgezeichnete Hochachtung.
Maria Fernanda Navarro
[1] https://www.spiegel.de/politik/ausland/a-1295820.html
[2]https://www.facebook.com/MdBSevimDagdelen/posts/2730078243885903?comment_id=2730566443837083¬if_id=1573471207911115¬if_t=feedback_reaction_generic



Comments